> DAS KIND – UNSERE HOFFNUNG
Beate Schlumberger
Die Liebe
echte Liebe
die mutige und verlässliche Liebe
wird im Stall geboren
in Heimatlosigkeit und Not
angesichts von Zweifeln
in große Ungewissheit hinein
entgegen fest gefügten Erwartungen
gegen Widerstände
ohne Ruhm und Beifall <
Rauf und runter lese ich diese Zeilen, die zu ersten Weihnachten im Tageskalender (Jeden Augenblick vertrauen – Zuversicht für alle Tage) stehen, der uns durch das besondere Jahr begleitet hat.
Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, meine Faszination für diesen Text hier zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Aha-Moment, ein besonderes Gefühl, eine Art von sich verstanden fühlen, wie es Worte eben manchmal zu schaffen vermögen. Habe ich vielleicht sogar Weihnachten damit das erste Mal in meinem Leben für mich entschlüsselt? Vielleicht.
Das dritte Weihnachten „entgegen fest gefügten Erwartungen“. Die letzten zwei Weihnachten in der Klinik – nun in Quarantäne (seit August), ohne die erweiterte Familie und Freunde am Tisch zu treffen.
Ein Leben „in große Ungewissheit hinein“. Was wird aus Amandes Gesundheit? Wann wird sie ohne Sauerstoff auskommen? Wie geht es mit ihrer Entwicklung weiter? Was wird das für unser weiteres Familienleben bedeuten? Fragen über Fragen.
„In Heimatlosigkeit und Not“ bin ich so manches Mal vom Hotel zur Klinik gelaufen, habe nachts laut vor Verzweiflung geschrien und bin flehend vor den beiden Kirchen (sicherheitshalber liegt eine katholische und evangelische auf der Wegstrecke) stehengeblieben.
Und abgesehen von den schwachen Momenten und dann eigenen düsteren Stimmen im Kopf, leben wir auch im Außen teilweise „gegen Widerstände“. Nicht alle Menschen um uns herum können unser neues Leben er- und mittragen und haben sich ganz leise oder sogar laut abgewendet.
Ohne Ruhm und Beifall geht man wochenlang ans Krankenbett und kehrt manchmal ziemlich leise zurück. Videos von amerikanischen Klinik-Entlassungen und großen Heimkehrpartys wirken da wie von einem anderen Planeten. Da sind wir in Deutschland wirklich „reserviert“.
Genau zwischen all dem Mist wird etwas geboren, „im Stall“ eben.
Die Liebe. Echte Liebe.
Ich weiß nicht, ob wir „die mutige und verlässliche Liebe“ ohne „Das Kind“ jemals so erfahren hätten. Doch, ich bin mir sicher: hätten wir nicht! Echte Hoffnung braucht dann wohl doch Hoffnungslosigkeit, um sie zu suchen und zu finden.
Das macht das menschliche Leben so tragisch und hoffnungsvoll zugleich. Und das führt uns wohl alle früher oder später an Grenzen, vor denen wir nur mit gefalteten Händen innehalten können. Punkte, Phasen, Geschehnisse wo „echte, mutige und verlässliche Liebe“ auf dem Kompost der größten Sch*** wachsen kann.
„Gott ist Liebe“, dann muss Liebe ja Gott sein. Und Weihnachten ist das Fest der Liebe. Der Stall, die Krippe, das Kind. Für mich machen all die Metaphern Sinn und „Hoffnung“. Wir werden wahrscheinlich auch im kommenden Jahr wieder an unsere Grenzen kommen, aber ich bin mir sicher, dass uns alles zu noch mehr Liebe führt.
Und wie sehr kann ich all die tapferen Menschen(-Kinder) in der Klinik mit anderen Augen sehen, wenn ich mir vorstelle, dass sie mit und in ihrer Not die Liebe auf diese Welt bringen. Schön wäre natürlich, wenn die Welt das nicht mehr nötig hätte. Auch die Hoffnung sollten wir nie aufgeben.
Ich wünsche frohe Weihnachten und bedanke mich von Herzen bei allen Leserinnen, Freunden und liebenden Menschen aus unserer Umgebung. 💓
PS: Heute hat mich ein Auto mitten im Ort angehupt, der Fahrer wütend, schüttelte mit dem Kopf und schimpfte. Weil ich am heruntergelassenen Fenster einer älteren Dame auf Krücken ein paar liebe Worte zu Weihnachten sagte. Tja, die Liebe wird wohl wirklich erst im Stall geboren, nicht in einer Limousine mit Sitzheizung … dachte ich da traurig und hoffnungsvoll zugleich 🙃



2 comment(s)
Sabine
Ich lese diese Zeilen und kann meine Tränen nicht mehr aufhalten. Ein kleine tapferes Mädchen und doch so zerbrechlich. Starke Eltern und auch sie […] Read MoreIch lese diese Zeilen und kann meine Tränen nicht mehr aufhalten. Ein kleine tapferes Mädchen und doch so zerbrechlich. Starke Eltern und auch sie , so zerbrechlich. Lieber Tim , liebe Melanie, Kraft wird durch Liebe geschaffen.. Liebe wird die Hoffnung nie aufgeben. Hoffnung ist immer Stärke . Gerade in schwierigen Zeiten wünsche ich euch ganz viel Kraft, Hoffnung und Liebe . S.R. Read Less
Phil
Liebe